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Religiöse Orientierung gewinnen


Religiöse Orientierung gewinnen.
Evangelischer Religionsunterricht als Beitrag zu einer pluralitätsfähigen Schule

Peter Schreiner/Rainer Möller

[Erschienen in: CI Informationen 2015, H. 1, S.1-3 (pdf).]
Unter diesem Titel erschien im Herbst 2014 die neue Denkschrift des Rates der EKD zum Religionsunterricht – genau 20 Jahre nach der Denkschrift „Identität und Verständigung“. Wurde schon damals, in den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung, die religiöse und weltanschauliche Pluralität als epochale Herausforderung identifiziert, geht die neue Denkschrift einen Schritt weiter. Sie will aufzeigen, wie die religiöse und weltanschauliche Pluralität in Schule und Bildung in reflektierter Form wahrgenommen werden kann. Der Religionsunterricht soll Schülerinnen und Schülern religiöse Orientierung in einer zunehmend unüberschaubar werdenden Welt ermöglichen. Pluralitätsfähigkeit wird jedoch nicht nur als Bildungsziel des Religionsunterrichts, sondern der Schule insgesamt verstanden. Wie soll nun Pluralität bearbeitet werden? Dazu heißt es im Text:

„Die Bearbeitung der Pluralität muss sich von beidem leiten lassen: von der Suche nach Gemeinsamkeit als dem trotz aller Vielfalt Verbindenden und der Bereitschaft, auch nicht auflösbaren Unterschieden gerecht zu werden.“ (S. 11)

Die Denkschrift besteht aus fünf Kapiteln, deren Inhalte wie folgt zusammengefasst werden:

(1) Die Herausforderungen der religiös-weltanschaulichen Vielfalt für Schule und RU.
In der Schule heute begegnet Vielfalt auf allen Ebenen. Es finden sich religiöse und weltanschauliche Pluralität, Multikulturalität und Multireligiosität, aber Pluralität wird auch erfahren in der Gestalt unterschiedlicher Erziehungsauffassungen und divergierender Wertorientierungen verbunden mit oft widersprüchlichen Erwartungen in der Schüler- wie in der Elternschaft. Diese Herausforderungen gilt es im RU und in der Schule insgesamt zu bearbeiten.
(2) Grundlagen in evangelischer Sicht und neue Fragen.
Hier wird der „Perspektivenwechsel“ hin zu Kindern und Jugendlichen thematisiert und zugleich betont, dass Schule oft der einzige Ort ist, an dem eine Auseinandersetzung mit religiösen und kirchlichen Themen stattfindet. Das Bemühen um Verständigung kann die Orientierung an Differenz nicht ablösen, beide Aufgaben sind zugleich wahrzunehmen: die Unterstützung von religiöser Identitätsbildung und Pluralitätsfähigkeit.

„Identität und Verständigung bezeichnen einen Prozess, der als Zusammenhang wahrgenommen werden muss.“ (S. 45)

Es wird in diesem Kapitel auch erläutert, dass „evangelische Konfessionalität“ eine dialogische Offenheit befördert. Dabei wird ein offenes Verständnis von Konfessionalität vorausgesetzt, das prinzipielle Dialogoffenheit gegenüber anderen Religionen und Welt-anschauungen ebenso einschließt wie wechselseitige kritische Wahrnehmungen.

(3) Pluralitätsfähigkeit
wird als entscheidendes Bildungsziel für Schule und RU begründet. Sie zielt auf Ver-haltensweisen, die für ein von Respekt und Toleranz geprägtes gesellschaftliches Zusammenleben unabweisbar notwendig sind. Es wird Bezug genommen auf einen „Pluralismus aus Prinzip“ (Eilert Herms) und auf das theologische Konzept der „Konvivenz“ (Theo Sundermeier), die Pluralitätsfähigkeit begründen und stützen. Deutlich betont wird im Text, dass Bildung zur Pluralitätsfähigkeit prozessbezogen verstanden werden muss.

Kritische Fragen stellen sich in diesem Kontext:

  • Werden Differenzen zu allererst konstruiert, um sie dann bearbeiten zu können?
  • Impliziert Pluralitätsfähigkeit eine einseitige Konzentration auf Unterschiede auf Kosten von Gemeinsamkeiten?
  • Ist die angestrebte Differenzsensibilität sinnvoll?

Auf jeden Fall sollte der RU dazu beitragen,

„die Wurzeln von Pluralitätsfähigkeit, Toleranz, Respekt und Anerkennung für den Anderen in der eigenen religiösen Tradition zu identifizieren und auf diese Weise als Orientierungsressource verfügbar zu machen.“ (S. 67)

Der Schlüsselbegriff „Pluralitätsfähigkeit“ wird durch mehrere im Religionsunterricht zu erwerbende Teilkompetenzen weiter aufgefächert. Es geht um

  • Wissen, fachlich fundiert und auf Religionen und Weltanschauungen bezogen
  • Kontextuelle Deutungsfähigkeit von religiösen und weltanschaulichen Orientierungen
  • Perspektivenübernahme
  • Empathie, Toleranz, Respekt und Offenheit als zentrale Einstellungen und Verhaltensweisen
  • Bewusstsein eigener Orientierungen im Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Orientierung anderer.
  • Religiöse Urteilsfähigkeit (vgl. S. 70)
    (4) Leistungen und der Reformbedarf des RU im Blick auf religiöse Orientierung und Pluralitätsfähigkeit.

„Die Grundaufgabe des evangelischen RU liegt in der Ermöglichung einer religiösen Orientierung für Kinder und Jugendliche durch religiöse Bildung, die als unverzichtbarer Beitrag zur Schule insgesamt sowie zum Aufwachsen in einer pluralen Gesellschaft anzusehen ist.“ (S. 73)

Das wird deutlich unterstrichen. Sie wird als Voraussetzung für Pluralitätsfähigkeit angesehen. Eine pluralitätsfähige Gestalt des RU zeichnet sich aus durch eine sensible Wahrnehmung der für die Kinder und Jugendlichen in einer Lerngruppe bestehenden religiösen Prägungen, Orientierungen und Interessen, durch Offenheit und Wertschätzung für unterschiedliche religiöse Voraussetzungen und schließlich eine Kommunikationsbereitschaft mit Dialogfähigkeit als „beständige Voraussetzung in der Gegenwart“ (S. 76). Pädagogische Aufgaben stellen sich im Blick auf die Bedeutung der religiösen Dimension in der Schule insbesondere im Blick auf Multikulturalität und interkulturellem Lernen. Dabei kommt es durchaus zu Spannungen z.B. zwischen einer stärkeren Würdigung religiöser und interreligiöser Kompetenzen und den Leistungen eines konfessionellen Religionsunterrichts.

Fünf Aspekte sind im Blick auf die schulische Praxis zentral:

  • Die zunehmende Teilnahme nicht-evangelischer Kinder und Jugendlicher am evangelischen RU signalisiert ein breites Interesse am evangelischen RU, beinhaltet zugleich eine religionsdidaktische Herausforderung.
  • Konfessionelle Kooperation. Mehr als 1500 Schulen unterrichten derzeit nach einem konfessionell-kooperativen Modell, das einen deutlichen „Mehrwert“ an religiösen Lernprozessen fördert und differenzsensibles Lernen ermöglicht.
  • Interreligiöses Lernen. Diese Forderung ist bereits in Lehrplänen etabliert, bedarf jedoch einer gezielten Förderung in der Unterrichtspraxis. Dazu gehören entsprechende Unterrichtsinhalte, dialogisch ausgerichtete Lernprozesse und persönliche Begegnungen mit Angehörigen anderer Religionen. Interreligiöses Lernen sollte konsequent als Wechsel zwischen Innen- und Außenperspektive konzipiert werden (S. 87).
  • Kooperation mit dem Ethikunterricht. Dies wird erschwert, wenn der RU nicht als gleichberechtigter Partner des Ethikunterrichtes angesehen wird.
  • Fächerübergreifende Themen und fächerverbindender Unterricht. Diese Perspektive wird vielfach bereits in der Sekundarstufe II praktiziert, und die bestehende Ent-wicklung sollte ausgebaut werden.

(5) Wege zu einer dialogischen Schulkultur unter Aufnahme religiös-weltanschaulicher Vielfalt (pluralitätsfähige Schule).
Die Bearbeitung religiöser und weltanschaulicher Vielfalt muss als genuine Bildungsaufgabe der gesamten Schule anerkannt und wahrgenommen werden. Davon handelt das abschließende Kapitel der Denkschrift. Es bedarf gemeinsamer Regeln und Verfahren, einer dialogisch offenen Schulkultur mit Erfahrungsräumen und schulinterner Gremien und Institutionen der Mitverantwortung. Aufgenommen werden in dem Kapitel Zusammenhänge von Religion und Toleranz, die aus der dargelegten Vielfalt entstehenden Aufgaben der Schule insgesamt im Blick auf Schulleben, Schulentwicklung und Schulprofil und nicht zuletzt Fragen nach den notwendigen Kompetenzen der Lehrkräfte.

Im Text der Denkschrift wird festgehalten an einem „konfessionell-kooperativen, dialogisch ausgerichteten Religionsunterricht“ (S. 14), wie er bereits in „Identität und Verständigung“ (1994) und in der EKD-Verlautbarung „10 Thesen zum Religionsunterricht“ (2006) entfaltet wurde. Ausdrücklich wird der evangelische Religionsunterricht als ein dialogisch offenes pädagogisches Angebot verstanden, der die Kooperation mit dem Unterricht anderer Religionsgemeinschaften sowie mit dem Ethikunterricht anstrebt. Es ist dem Text eine breite Diskussion zu wünschen.

Dabei sollten u.a. folgende Fragen aufgenommen werden:

  • Wie lässt sich religiöse Bildung als integrativer Bestandteil allgemeiner Bildung argumentativ begründen?
  • Wie lassen sich Konfessionalität und Interreligiosität verbinden, bzw. in eine konstruktive Beziehung setzen?
  • Was kann in einer Situation religiös-weltanschaulicher Vielfalt eine „Stärkung des protestantischen Profils“ konkret bedeuten?
  • Wie lässt sich eine konfessionelle Orientierung mit einer zunehmenden Zahl von nicht mehr religiös sozialisierten bzw. konfessionslosen Schüler/innen vereinbaren? Wie kann der Situation zunehmender Konfessionslosigkeit sachgemäß begegnet werden?
  • Wie können Kooperationen mit der katholischen Kirche im Blick auf RU vertieft werden? Kann die Denkschrift neue Initiativen befördern?
  • Wie kann die Kooperation zwischen Ethik und ev. RU intensiviert werden?
  • Die Inklusionspädagogik wird die Frage nach einem gemeinsamen Religions- und Ethikunterricht verschärft stellen. Welche Rückwirkungen hat dies für die Weiter-entwicklung bestehender Modelle?
  • Angesichts der zunehmenden Bedeutung inklusiver Didaktik wird die Frage zu bearbeiten sein, wie das gemeinsame Lernen von in vielerlei Hinsicht unter-schiedlichen Schüler/innen ermöglicht werden kann, ohne religiöse oder konfessionelle Differenzen einzuebnen.

Das Comenius-Institut mit rpi-virtuell und in Zusammenarbeit mit einigen Pädagogisch-Theologischen Instituten der Landeskirchen will die Diskussion befördern, indem unter der Adresse
http://ru-denkschrift.de der Text der Denkschrift als Kommentar- und Dialogangebot bereitgestellt wird. Eine rege Beteiligung ist willkommen.

Religiöse Orientierung gewinnen. Evangelischer Religionsunterricht als Beitrag zu einer pluralitätsfähigen Schule – Eine Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2015. ISBN 978-3-579-05974-7

http://www.ru-denkschrift.de

 

 

Auf dem Weg zu einem solidarischen Europa – 07.04.-10.04.2015 Bad Wildbad

Der Internationale Verband für christliche Erziehung IV (www.int-v.org), die Lehrerfortbildungsakademie des Landes Baden-Württemberg und die Intereuropäische Kommission für Kirche und Schule (ICCS; www.iccsweb.org) laden zu einer Europäischen Lehrerfortbildungstagung unter dem Thema : „Seeking Solidarity in a troubled Europe. Challenges and choices for schools and education“ ein. Auf dem Weg zu einem solidarischen Europa – 07.04.-10.04.2015 Bad Wildbad weiterlesen

newsletter Nr 6 ICCS – Deutsch

Dezember 2014, Nr. 6

Editorial

Der Abschlussbericht der AG „Bildung“ der Konferenz Europäischer Kirchen / Kommission für Kirche und Gesellschaft, empfiehlt der „neu strukturierten KEK“ weiterhin Bildung als Thema zu bearbeiten. Als Gründe werden angeführt, dass eine europäisch orientierte Bildung das Zusammenleben von jung und alt fördern kann, dass religiöse Bildung einen entscheidenden Beitrag zu Identitätsbildung und Dialog in Zeiten zunehmender kultureller und religiöser Pluralität leisten und dass eine christlich orientierte Bildung zentrale europäische Werte fördern kann wie Demokratie, die Wahrung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Die Kommission gibt es nicht mehr, sie ist in die neue, verschlankte Struktur der KEK aufgegangen. Für ICCS und IV bedeutet dies, nun als „Organisationen in Partnerschaft“ mit der KEK kooperieren zu können. Dass diese Mitwirkung gewünscht ist, hat die KEK mehrfach betont, wie sie konkret aussehen kann, das muss gemeinsam festgelegt werden. Aufgaben stellen sich, z.B. im Blick auf eine Europäisierung von Bildung durch die Europäischen Institutionen. Gemeinsame Herausforderungen liegen in der Beteiligung an Initiativen zu Bildung für aktive Bürgerschaft, Solidarität, Gerechtigkeit und Menschenrechtserziehung, oder auch im Widerspruch gegen ein überwiegend ökonomisch ausgerichtetes Bildungsverständnis in Europa.

Unterstützung dazu gibt es von Papst Franziskus. Er hat in seinen Reden vor dem Europäischen Parlament und dem Europarat am 25. November auf die Bedeutung von Bildung und Erziehung hingewiesen, wenn es um die Schaffung von Frieden und von Hoffnung für die Zukunft aller Menschen in Europa geht. Vor dem Europäischen Parlament hat der Papst die Verbindung zwischen Würde und Transzendenz betont, die notwendig sei, damit Europa nicht seine Seele und seinen humanistischen Geist verliere. Glaube und Vernunft, Religion und Gesellschaft, Würde und Transzendenz, das Zusammenspiel dieser Bereiche prägt die Diskussion um umfassende Bildungskonzepte. ICCS und IV beteiligen sich mit ihren Projekten und Aktivitäten an der Klärung dieser Zusammenhänge. Leitend kann dabei sein, was, der Direktor des Reformierten Pädagogischen Instituts in Budapest, Pál Szontagh, bei der IV Mitgliederversammlung sagte: „Wir unterrichten keine Fächer, wir unterrichten Kinder und Jugendliche.“

Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir am Ende eines ereignisreichen Jahres
Gelassenheit, Zuversicht und gute Perspektiven für 2015.

Dr. Tania ap Sîon und Dr. Peter Schreiner (ICCS)

Dr. Gerhard Pfeiffer und Dr. Wim Kuiper (IV)

Informationen aus IV und ICCS

IV: Vorstand des IV

Ständige Themen der Vorstandssitzungen sind die Finanzen des Verbandes, die Kommunikation mit den Mitgliedern, die Planung, Organisation und Auswertung von Tagungen und Seminaren, die Begleitung der laufenden Projekte und Berichte über Veranstaltungen mit dem IV kooperierender Organisationen. Nach der Sitzung am 10./11. Juli in Nürnberg, über die im Newsletter Nr. 5 berichtet wurde, fand dann im Vorfeld der Allgemeinen Mitgliederversammlung am 20. November in Pápa (Ungarn) eine weitere Sitzung statt.

Wichtige Beschlüsse betrafen die Durchführung der Studienreise für Schulleitungspersonen in die Niederlande und des Europaseminars für Lehrkräfte im Jahre 2015. Als dringend erachtet der Vorstand auch die Verstärkung seiner personellen Ressourcen. Geplant war die Aufnahme einer Vertreterin der reformierten Lehrervereinigung Ungarns (ORTE) in den Vorstand. Nach dem überraschenden Tod des ORTE-Vorsitzenden Bálint Korsós konnte dieser Plan jedoch nicht umgesetzt werden. Der Vorstand wird deshalb an andere geeignete Personen mit der Bitte um formelle oder informelle Mitarbeit herantreten.

Die Mitarbeit an Projekten mit weltweitem Horizont hat zu einer erhöhten Belastung einiger Vorstandsmitglieder geführt. Eine Ausweitung der regulären IV-Aktivitäten über Europa hinaus, wie sie von außen vorgeschlagen wurde, hält der IV-Vorstand für unvereinbar mit seiner Satzung und seinen Arbeitsmöglichkeiten.

ICCS: Neues Mitglied aus Belgien

Das Orthodoxe Institut Saint-Jean-le-Théologien aus Brüssel/Belgien wurde Mitglied bei ICCS. Das Institut bietet Aus- und Fortbildungen für Orthodoxe Theologie an u.a. auch für Religionslehrkräfte. Orthodoxer RU ist in Belgien ein ordentliches Lehrfach. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite des Instituts: www.ioj.be. Herzlich Willkommen bei ICCS.

ICCS: Religionsunterricht in Rumänien

Simona Sav, eine Doktorandin aus Rumänien, stellte im Rahmen des CoGREE Kolloquiums in Klingenthal die Situation des Religionsunterrichtes in Rumänien vor. Der folgende Text fasst ihre Ausführungen zusammen. Eine längere Version ist zugänglich über: www.iccsweb.org

Der offizielle Titel von Religionsunterricht (RU) in Rumänien lautet einfach „Religion“. Er ist konfessionell ausgerichtet und wird eine Stunde pro Woche unterrichtet. Theoretisch ist es ein Wahlfach, aber in der Praxis ist es verpflichtend mit der Möglichkeit, sich abmelden zu können. Das Modell ist ein „Bildung in Religion“, auch wenn Elemente zu anderen Religionen oder nicht-religiösen Weltsichten enthalten sind. Religion ist Teil des Basislehrplans, und gehört in der Grundschule wie Sekundarschule zum Bereich „Mensch und Gesellschaft“. Das Bildungssystem in Rumänien beginnt mit Klasse 0 für Kinder von sechs Jahren und endet mit Klasse 10, dann sind die Schüler/innen 16 Jahre alt.

Jede der 18 rechtlich anerkannten Glaubensgemeinschaften, genannt culte, kann RU in den Schulen anbieten. Der Begriff culte umfasst diejenigen Denominationen oder Konfessionen, die rechtlich anerkannt sind und die dadurch mehr sind als reine Religionsgemeinschaften. Die rechtliche Anerkennung enthält das Recht, staatliche Zuschüsse zu erhalten, abhängig von ihrem Bedarf und der Anzahl ihrer Mitglieder. Die Bedingungen für religiöse Gemeinschaften den Status von culte zu erhalten (und so von staatlichen Zuschüssen zu profitieren) lauten: (1) sie müssen nachweisen können, dass sie zumindest in den letzten 12 Jahren in Rumänien aktiv waren und (2) die Zahl ihrer Mitglieder muss mindestens 0,1% der Bevölkerung entsprechen (das sind mindestens 19,000 Mitglieder gemäß der Volkszählung von 2011). Religiöse Gemeinschaften, die nicht den Staus culte erhalten, können keinen RU in der Schule anbieten. Eltern, gesetzliche Elternvertreter oder die Schüler/innen selbst können sich für einen RU-Kurs anmelden oder sich abmelden. Wenn sie sich nicht zu Beginn des Schuljahres schriftlich dazu gegenüber dem Schulleiter äußern, dass sie sich abmelden wollen oder einen anderen RU-Kurs statt dem rumänisch-orthodoxen besuchen wollen, werden sie automatisch dem Orthodoxen RU zugeordnet. Ethik wird kaum eingerichtet, dies hängt völlig von den Schulen ab, und Klassen zu Religionsgeschichte gibt es überhaupt nicht.

Benotungen gibt es (von 1 bis 10) wie für andere Schulfächer auch und so hebt sich RU nicht von den allgemeinen Regularien ab. Diejenigen, die keinen RU erhalten, erhalten ihren Notendurchschnitt ohne dieses Fach.

Lehrkräfte werden an den theologischen Fakultäten gemäß ihrer Konfession ausgebildet. Im ländlichen Bereich wird RU bisweilen von lokalen Geistlichen erteilt. Die weltlichen RU Lehrkräfte sind oft junge Menschen unter 40 Jahren. Um an der Universität angenommen zu werden, brauchen die zukünftigen Studierenden ein Empfehlungsschreiben ihres Pfarrers/Bischofs aus ihrer Heimatgemeinde. RU-Lehrkräfte werden vom Staat bezahlt. Im Mai 2014 wurde zwischen der rumänisch-orthodoxen Kirche und dem Staat ein Protokoll unterzeichnet, mit dem ein Äquivalent zur missio canonica eingeführt wurde und festgelegt wurde, dass eine RU-Lehrkraft ihre Stelle verlieren kann, wenn sie sich unmoralisch verhält oder sich fundamental gegen die bestehende Theologie wendet.

Lehrbücher werden von Einzelpersonen unter Beachtung von ministeriellen Richtlinien entwickelt, abgesegnet vom Patriarchat oder der jeweiligen Religionsgemeinschaft und vom Bildungsministerium genehmigt. Die Ziele des RU haben sich in den letzten 10 Jahren verändert, insbesondere beeinflusst durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und dem Engagement des Staates demokratische Werte und Menschenrechte zu achten und zu fördern. Deshalb müssen die Ziele des RU im Einklang stehen u.a. mit den allgemeinen Zielen von Bildung, basierend auf Kompetenzen, den Prinzipien des lebenslangen Lernens, der Bildung von interkulturellen, interpersonalen, sozialen und staatsbürgerlichen Kompetenzen. Gleichzeitig wird jeder Konfession zugestanden, ihre eigenen konfessionellen/katechetischen Ziele zu verfolgen. Beispielsweise beinhalten die Ziele der rumänisch-orthodoxen Kirche die Bildung von „Persönlichkeiten in Übereinstimmung mit christlichen Werten, durch die Integration von religiösem Wissen in den Prozess der Bildung moralisch-christlicher Verhaltensweisen, und durch Glaubenslehren in das persönliche und gesellschaftliche Leben.“ (vgl. „Programa scolara – Religie cultul ortodox,” erhältlich über: http://patriarhia.ro/images/pdf/Invatamant_pdf/Programa_V-VIII_aprobata_prin_Om_5097_09.09.2009.pdf)

Simona Sav

IV: Mitgliederversammlung am 20./21. November in Pápa (Ungarn)

Die kleine Stadt Pápa in Westungarn ist seit Jahrhunderten ein bedeutendes Zentrum der protestantischen Bildung. Im Hotel „Villa Classica“ trafen sich die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Allgemeinen Mitgliederversammlung 2014, die aus zehn verschiedenen europäischen Ländern kamen. „Menschenrechte und Demokratie im Kontext christlicher Erziehung und Bildung“ war das Thema des schulpädagogischen Studientags, der die Mitgliederversammlung umrahmte. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten Dr. Wim Kuiper gab Pál Szontagh, der Direktor des Reformierten Pädagogischen Instituts in Budapest, einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen des ungarischen Bildungswesens. Schwerpunkte waren die Einführung des Religionsunterrichts in allen Schulen und die berufliche Entwicklung der Lehrkräfte.

Der Freitagvormittag begann mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche, gestaltet von der Schulpfarrerin und dem Schulleiter der evangelischen Grundschule. Darauf folgten Rundgänge und Unterrichtsbesuche in dieser Schule und im Reformierten Gymnasium mit Fachmittelschule (Kunst). Nach dem Mittagessen in der Schulmensa konnten noch die bedeutende Bibliothek des Gymnasiums und seine historischen Sammlungen unter kundiger Führung besucht werden.

Im Festsaal des Gymnasiums sprach am Nachmittag Dr. Peter Schreiner aus europäischer Perspektive über das Thema „The Contribution of Religion and Churches to Citizenship Education“. Im Praxisteil wurde das Comenius-Projekt „European Literacy and Citizenship Education“ (ELICIT+) vorgestellt. Die evangelische Pfarrerin Erzsébet Molnár berichtete über das von ihr geleitete Fachkolleg zur Förderung junger Roma ERSZK in Nyíregyháza im Nordosten Ungarns. Den aktuellen Stand des durch den IV geförderten Projekts „500 protestantische Schulen weltweit feiern 500 Jahre Reformation“ präsentierte Simone Kohlmann von der Universität Bamberg.

Im satzungsgemäßen Teil nahmen die Mitglieder die Rechnungslegung und die Arbeitsberichte des Vorstands mit Zustimmung entgegen. Für die Mitgliederversammlung 2015 wurden Dublin (Irland) und Bern (Schweiz) ins Gespräch gebracht.

ICCS: Impulse aus der Konsultation der Korrespondent/innen

Zwei variierende neue Beschreibungen von ICCS wurden bei dem Treffen der Korrespondenten/innen im April 2014 in Klingenthal entwickelt:

Das Akronym ICCS kann (neu) buchstabiert werden als Inspiration, Clearing house, Contacts, Synergy bzw. Innovation, Collaboration, Connections, Sharing of Resources. Das sind Tastaturen und Schlüsselbegriffe, die als Richtlinie für die weitere Arbeit im Bereich Kirche und Schule in Europa entwickelt werden können. Es blieb nicht bei dieser eher poetischen Form der Bestimmung, sondern es wurden auch weitergehende inhaltliche Herausforderungen benannt, z.B. die öffentliche Rolle von Religion und wie Bildungsinitiativen damit konstruktiv umgehen können; z.B. das Verhältnis von religiöser Bildung und Bildung für demokratische Bürgerschaft, und die Frage nach Gemeinsamkeiten, Überschneidungen oder auch Distanzen im Verhältnis von Kirche und Schule. Eine zentrale Aufgabe für ICCS besteht im Herstellen von „Verbindungen“ zwischen dem, was an bildungsrelevanten Initiativen in den europäischen Institutionen geschieht und den Bildungsinitiativen der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Diese positionieren sich vielfach mit eigenen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen im öffentlichen Bildungsdiskurs. Die für Februar 2015 in Budapest geplante gemeinsame Vorstandssitzung von ICCS und IV wird an damit verbundenen Themen weiterarbeiten.

IV: Erste Konferenz der Protestantischen Sekundarschulen in Irland
(Dublin, 25.09.2014)

Zum ersten Mal wurden die 27 Sekundarschulen anglikanischer und anderer protestantischer Provenienz in Irland zu einer Konferenz zusammengerufen. Eingeladen hatte der „General Synod Board of Education“ der Church of Ireland. Die Tagung, deren erklärtes Ziel es war, über die gemeinsame Identität und mögliche Formen der Zusammenarbeit nachzudenken, stand unter dem Thema „Faith and Partnership“. Dr. Michael Jackson, Erzbischof von Dublin, hieß die Teilnehmer willkommen und stellte zusammen mit der Direktorin des „Church of Ireland College of Education“ ein Forschungsprojekt vor: „Ethos, Ether and Ethics – Exploring the social climate of Ireland’s Protestant Secondary Level Schools“. Teilgenommen hatten daran sechs Schulen der Church of Ireland und eine anglikanische Schule aus Nordirland. Weitere Forschungsergebnisse und Beiträge hoher staatlicher Repräsentanten sowie ein Diskussionsforum folgten. Auf Einladung des Organisators der Tagung, Dr. Ken Fennelly, konnte der Sekretär des IV die Arbeit des Internationalen Verbandes und das Projekt „schools500reformation“ vorstellen.

Als Folge dieser Kontakte kann auch die Teilnahme Dr. Fennellys und eines Kollegen aus Nordirland, Ian Ellis, an der Mitgliederversammlung des IV in Ungarn gesehen werden. Eine formelle Mitgliedschaft im Verband sowie bei ICCS steht in Aussicht.

ICCS: „Ethik-Religionen-Gemeinschaft“ im Lehrplan 21 für die deutschsprachige Schweiz

Ende Oktober 2014 wurde der Lehrplan 21 für den deutschsprachigen Teil der Schweiz zur Einführung freigegeben. In 21 Schweizer Kantonen soll damit in der Volksschule (von der Vorschule bis zum 9. Schuljahr) nach dem gleichen Lehrplan unterrichtet werden, nachdem die französischsprachigen Regionen bereits früher einen gemeinsamen Lehrplan „Plan d’Etudes Romand (PER)“ eingeführt haben. Die einzelnen Kantone bleiben frei, wann und wie sie den Lehrplan 21 umsetzen.

Der neue Lehrplan 21 orientiert sich an fachübergreifenden Kompetenzen.

http://vorlage.lehrplan.ch/index.php?nav=10|30&code=t|104

Auch für die Fächerlehrpläne wurden fachliche Kompetenzen formuliert, welche Schülerinnen und Schüler erwerben sollen. Bemerkenswert ist, dass „Ethik-Religionen-Gemeinschaft (ERG)“ als „Perspektive“ integraler Teil der obligatorischen Schulbildung sein soll. Alle Schülerinnen und Schüler, ungeachtet ihrer religiösen Herkunft und Zugehörigkeit, werden an diesem Unterricht teilnehmen.

Bedeutung und Zielsetzung sowie didaktische Grundsätze und strukturelle Hinweise zu ERG sind in einleitenden Abschnitten zum übergeordneten Fachbereich Natur-Mensch-Gesellschaft umschrieben (vgl. http://vorlage.lehrplan.ch/index.php?nav=160&code=g6&la=yes). In der Vorschule und Primarstufe (sog. 1. und 2. Zyklus) zeigen sich Fachanliegen ERG vor allem in Natur-Mensch-Gesellschaft, exemplarisch im Kompetenzbereich 11 „Grunderfahrungen, Werte und Normen erkunden und reflektieren“ sowie im Kompetenzbereich 12 „Religionen und Weltsichten begegnen“. http://vorlage.lehrplan.ch/index.php?nav=160|41&code=b|6|1&la=yes

Auf der Sekundarstufe I (Zyklus 3) sind sie in einem eigenen Fachbereich „Ethik-Religionen-Gemeinschaft“ zusammengefasst.

http://vorlage.lehrplan.ch/index.php?nav=160|45&code=b|6|5&la=yes

Ob zusätzlich konfessioneller Religionsunterricht an den Schulen stattfindet, bleibt ausdrücklich den einzelnen Kantonen überlassen. Konfessioneller Religionsunterricht bleibt durchaus ein sinnvolles komplementäres Angebot zu „Ethik-Religionen-Gemeinschaft“; es ist jedoch nicht sicher, wie viele Kantone konfessionellen Religionsunterricht an den Schulen weiterhin stützen und weiterentwickeln werden. Die konfessionelle Bildung dürfte sich wohl noch stärker in außerschulische, kirchliche Settings verlagern.

Mit der Fachperspektive „Ethik-Religionen-Gemeinschaft“ wählt die deutschsprachige Schweiz einen ähnlichen Weg wie das deutsche Bundesland Brandenburg mit dem Fach „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER)“ und vor allem wie Norwegen mit „Religion, Lebensanschauung und Ethik (RLE)“. Homepage Lehrplan 21: http://www.lehrplan.ch/

Johannes Kilchsperger

IV: Neugründung „Arbeitskreis evangelische Schule in Deutschland“ AKES

Am 19. September 2014 fand in Stuttgart die Neugründung des „Arbeitskreis evangelische Schule in Deutschland“ (AKES) statt. Mit über 50 Gründungsmitgliedern vereint der Arbeitskreis auf Bundesebene alle großen Schulstiftungen und Schulwerke, die Schulbünde und Verbände im Bereich des evangelischen Schulwesens. In Zukunft arbeiten im AKES kirchliche und freie evangelische wie diakonische Träger evangelischer Schulen eng zusammen. Gemeinsam mit den Schulleitungen und Schulverantwortlichen in Kirche und Diakonie wollen sie das evangelische Schulwesen in der Öffentlichkeit und in der Kirche wahrnehmbarer machen und Entwicklungen anstoßen. Der Arbeitskreis evangelische Schule in Deutschland wählte am 29. September seinen Geschäftsführenden Ausschuss. Die aus der Rahmengeschäftsordnung des ehemaligen AKES weiterentwickelte Geschäftsordnung sieht folgende Aufgaben vor: Förderung der Profilbildung im evangelischen Schulwesen; Organisation des Austausches von Informationen und Positionen zwischen den Verantwortlichen für Schulen in evangelischer Trägerschaft, der EKD und der Diakonie Deutschland; Förderung des Expertiseflusses und der Abstimmung von Positionierungen zwischen den Verantwortlichen für Schulen in evangelischer Trägerschaft, der EKD und der Diakonie Deutschland; Förderung der Profilbildung im evangelischen Schulwesen; Förderung der Öffentlichkeitsarbeit und des öffentlichen Diskurses über das evangelische Schulwesen. Der Arbeitskreis Evangelische Schule in Deutschland organisiert als Forum evangelischen Schulwesens den „Bundeskongress Evangelische Schule“ und hat ein Interesse an internationaler Vernetzung.

Birgit Sendler-Koschel

IV: Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Schulbünde e.V. (AGES) am 17./18. November 2014 in Frankfurt a. Main

Die AGES ist als Zusammenschluss der regionalen Evangelischen Schulbünde in Deutschland entstanden. Zur Mitgliederversammlung, die zwei Mal im Jahr tagt, gehören neben den Leitungen der Schulbünde u.a. auch Vertretungen der Kirche, der Diakonie, der Barbara-Schade-berg-Stiftung zur Förderung Evangelischer Schulen und des Internationalen Verbandes. Schwerpunkte der Arbeit, die vor allem von Schulleitungspersonen getragen wird, sind pädagogische Grundfragen, Schulentwicklung, Fortbildung und Zusammenarbeit mit den Eltern. Nach der im September erfolgten Neukonstituierung des Arbeitskreises Evangelische Schule (AKES), in dem die Schulträger ein stärkeres Gewicht haben, war es ein zentraler Punkt der Tagesordnung in Frankfurt, das Profil der AGES näher zu bestimmen und die geeignete Form der Zusammenarbeit mit dem AKES zu finden. Sowohl AGES als AKES sind Mitglieder des IV.

IV/ICCS: “School Leaders Education Visit to Christian Schools in the Netherlands”

Eine Einführung in das Bildungswesen der Niederlande, Informationen über Art und Bedeutung christlicher Schulen, die Formen ihrer Zusammenarbeit und die Praxis religiöser Erziehung stehen auf dem Programm der Studienreise in die Niederlande, die für Schulleitungspersonen ausgeschrieben wurde, aber auch für andere Experten des christlichen Bildungswesens geöffnet ist. Es werden allgemeinbildende und berufliche Schulen besucht und es gibt auch ein kulturelles Beiprogramm. Arbeitssprache ist Englisch.

Als Termin wurde der 3.-7. März 2015 festgesetzt, mit der Option der Verlängerung um einen Tag. Interessenten, die noch keine Teilnahmezusage haben, können eventuell über die Warteliste nachrücken. Auch eine Wiederholung des Angebots im Jahr 2016 wird bei entsprechender Nachfrage erwogen. Anfragen bitte umgehend an die Geschäftsstelle des IV.

IV/ICCS: Europaseminar für Lehrkräfte in Bad Wildbad (Deutschland)

Seit vielen Jahren veranstaltet der IV in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg im zweijährigen Rhythmus Seminare für Lehrkräfte zu europäischen Themen aus christlicher Perspektive. Diese Tagungen sind als Fortbildung anerkannt und finden in der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg statt, die ihren Sitz in Bad Wildbad (Schwarzwald) hat. In den letzten Jahren kam als Kooperationspartner ICCS dazu.

Für 2015 wurde als Thema „Seeking Solidarity in a troubled Europe – Challenges and Choices for Schools and Education“ (deutsch: „Auf dem Weg zu einem solidarischen Europa – Herausforderungen für Schule und Bildung“) gewählt. Geplant sind Expertenbeiträge aus Politik, Diakonie und Sozial- und Religionspädagogik sowie Beispiele aus der Schulpraxis verschiedener europäischer Länder und Formen nicht formaler Bildung. Ein detailliertes Programm wird Anfang Januar 2015 vorliegen und dann auch auf der Website des IV veröffentlicht.

Termin ist der 7.-10. April 2015. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Arbeitssprachen sind Deutsch und Englisch. Lehrkräfte aus Baden-Württemberg können sich auf dem Dienstweg anmelden, alle anderen interessierten Personen über die Geschäftsstelle des IV in Hannover (kerstin.wiechmann@ekd.de).

CoGREE und Mitgliedsorganisationen

CoGREE: Klingenthal Kolloquium und Follow up

Zum Thema „Interkulturelle Bildung und die religiöse Dimension“ fand das nunmehr 6. Klingenthal Kolloquium vom 06. bis 10. Oktober in der Tagungsstätte der Goethe-Stiftung in Klingenthal bei Straßburg statt. Teilgenommen haben 28 Teilnehmende aus 14 europäischen Ländern zusammen. Aktuelle Berichte zur schulischen religiösen Bildung in der Ukraine, Rumänien, Griechenland und Finnland waren Bestandteil des Programms. Ein Schwerpunkt war die Beschäftigung mit dem Signposts-Dokument des Europarates, das von Dr. Claudia Lentz vom Europäischen Wergeland Zentrum in Oslo (www.theewc.org) vorgestellt wurde. Auch Kontakte mit dem Europarat waren Teil des Programms.

Bei einem Gespräch mit dem neuen Direktor des Europarates für Demokratische Bürgerschaft und Partizipation Jean-Christophe Bas wurden Initiativen zur nationalen Implementierung eines neuen Dokumentes des Europarates abgesprochen. „Signposts – Policy and practice for teaching about religions and non-religious world views in intercultural education” wurde erstellt, um die Implementierung der Empfehlung des Ministerkomitees von 2008 „on the dimension of religions and non-religious convictions within intercultural education” (https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=1386911&Site=CM) zu fördern (Bezug als print oder pdf über https://book.coe.int). Auf der Internetseite des Europäischen Wergeland Zentrums (www.theewc.org) wurde dazu ein Diskussionsforum in der Rubrik „share and connect“ eingerichtet, Übersetzungen des Dokuments in verschiedenen Sprachen sind in Vorbereitung. 2015 soll es mehrere nationale Treffen geben, um das Dokument und seine Empfehlungen bildungspolitischen und schulischen Akteuren vorzustellen und gemeinsam auf nationale Konkretisierung zu überprüfen. Zum Kolloquium ist ein ausführlicher Bericht in deutscher Sprache erschienen. Er ist zugänglich über www.iccsweb.org und

http://www.comenius.de/themen/Evangelische_Bildungsveranwortung_in_Europa.php .

CoGREE Steuergruppe tagte in Wien

Am 18./19. November traf sich die Steuergruppe der Coordinating Group for Religion in Education in Europe (CoGREE) in Wien. Ausgewertet wurde das Kolloquium zu „Intercultural Dialogue the Religious Dimension“, das Anfang Oktober in Klingenthal bei Straßburg stattgefunden hatte. Während des Kolloquiums wurde angeregt, sich auch in nationale Kontexten intensiv mit dem neuen Dokument des Europarates: „Signposts-Policy and practice for teaching about religions and non-religious world views in intercultural education“ zu beschäftigen. Dazu sind Kooperationen mit dem Europäischen Wergeland Zentrum in Oslo ebenso geplant wie Konsultationen auf nationaler Ebene mit verschiedenen Partnern.

EFTRE: Tagung des geschäftsführenden Vorstandes in Kopenhagen

Die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes des Europäischen Forums für Religionslehrer/ionnen EFTRE trafen sich am 18. November 2014 in Kopenhagen. Zwei Bereiche standen im Zentrum des Treffens:

1. Die nächste EFTRE Konferenz – in Kooperation mit CoGREE – findet vom 31. August bis 3. September 2016 in Wien statt. Das Thema lautet: „Glauben, dazu gehören, sich verhalten: Herausforderungen für den Religionsunterricht im 21. Jahrhundert. Das Programm weist eine ähnliche Struktur auf wie die Konferenz 2013 in Malmö mit einer Mischung aus Vorträgen, Seminaren und Workshops und Besuchen an Orten, die für das Konferenzthema wichtig sind. Professor Dr. Denise Cush, Professor Dr. Bert Roebben und Dr. Peter Schreiner haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Es wird auch einen Vortrag zu Fragen von Religion und Religionsunterricht in Österreich geben. Weitere Beiträge werden von Mitgliedern des EFTRE Vorstandes und lokalen Kontakten in Wien kommen.

2. EFTRE Vertreter/innen aus sechs Ländern nahmen im Oktober am Klingenthal Kolloquium teil, bei dem die neue Publikation des Europarates „Signposts“ im Zentrum stand. Ein Ergebnis der Diskussion hat der geschäftsführende Vorstand beschlossen, ein Projekt zu initiieren, um auf der Grundlage von „Signposts“ Materialien für die Lehrerfortbildung zu entwickeln. Von einigen Vorstandsmitgliedern wurde auch angeboten, „Signposts“ in verschiedene andere Sprachen zu übersetzen und es besteht die Hoffnung, dass dies die Unterstützung des Europarates findet.

Lesley Prior

KEK und GEKE

KEK: Treffen der Arbeitsgruppe „Bildung“

Ein Rückblick auf die Arbeit im Zeitraum 2011 bis 2014 und die Erstellung eines Berichtes für die Kommission Kirche und Gesellschaft (KKG) der KEK waren die zentralen Punkte der AG-Sitzung am 3./4. November 2014 in Straßburg. Die AG hat zwischen 2011 und 2014 insbesondere zu „Bildung für demokratische und europäische Bürgerschaft“, zu Bildungsinitiativen für die Etablierung von Visionen für Europa und zu einem europäisch wie kirchlich orientierten Bildungsverständnis gearbeitet. Etliche Beiträge aus der AG sind auf der Internetseite der KEK http://csc.ceceurope.org/ in der Rubrik „Issues/Education“ zu finden. Im Abschlussbericht der AG wird angeregt, dass sich die KEK auch in ihrer neuen Struktur mit Bildung als einem für Europa zentralen Thema beschäftigt, Entwicklungen europäischer Bildungspolitik kritisch begleitet und die Kirchen in ihren eigenen Bildungsinitiativen europäische und globale Dimensionen berücksichtigt. Der Bericht wurde dem Vorstand der KEK Anfang Dezember vorgelegt und auch im Rahmen des Plenums der KKG thematisiert. Aus dem neuen Vorstand der KEK gab es die Zusage, dass die bisher im Rahmen der Kommission bearbeiteten Themen und Herausforderungen weitergeführt werden. Dr. Peter Schreiner hat in der AG mit Mandat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und von ICCS mitgearbeitet.

GEKE: Religionsunterricht an den Europäischen Schulen

Zu einem Gespräch über die Situation des Religionsunterrichtes an den Europäischen Schulen (www.eursc.eu) hatte die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) für den 27. Oktober nach Tutzing eingeladen. Im Rahmen der anstehenden Reform der Sekundarstufe II dieser Schulen der Europäischen Union liegt der Vorschlag auf dem Tisch, den bisher konfessionell erteilten RU in den Klassen sechs und sieben durch ein gemeinsames Fach „Ethik und Religionskunde“ zu ersetzen, das nicht konfessionell erteilt werden soll. Damit will sich die GEKE aktiv auseinandersetzen und u.a. Unterstützungsstrukturen für die Lehrkräfte des Faches Ev. Religion entwickeln. Noch nicht geklärt sind Implikationen dieser konzeptionellen Veränderung, u.a. die Qualifikation der Lehrkräfte, das Curriculum und die Frage der Lehrmaterialien sowie die inhaltlich-strukturellen Auswirkungen. Eine bei der Tagung beschlossene AG wird weitere Initiativen beraten.

KEK: Plenum der Kommission Kirche und Gesellschaft setzt Impulse für die
Zukunft

Bei ihrem abschließenden Plenum vom 03. bis 04. Dezember in Leuven und Brüssel konnte die Kommission Kirche und Gesellschaft deutlich machen, dass auch zukünftig ihre Themen und Anliegen im Rahmen der neuen KEK-Arbeitsstruktur notwendig Gehör finden sollten. Sowohl der Bericht über die Aktivitäten 2013 und 2014 als auch die bisher vorliegenden Planungen für 2015 setzen deutliche Akzente im Blick auf die Beteiligung der KEK an Diskussionen um die Zukunft Europas, bei sozialpolitischen Themen und Umweltfragen, bei Bildung und Menschenrechten. Die vielfältige Krise, mit der Europa zu kämpfen hat, fordert Politik, Gesellschaft und Kirchen heraus. Entscheidend wird nun sein, ob und wie sich die Mitgliedskirchen der KEK mit der beschlossenen neuen Struktur identifizieren, und wie sie die Konferenz als gemeinsames Instrument stärken, damit die Stimme der Kirchen in Europa deutlich hörbar wird, auch in Bildungsfragen.

Europarat und Europäische Union

EU: Neuer Kommissar für Bildung kommt aus Ungarn

Am 1. September 2014 nahm die neue EU-Kommission unter dem EU-Kommissions-präsidenten Jean-Claude Juncker ihre Arbeit auf. Die neue Struktur sieht sechs Vizepräsidenten vor, denen die verschiedenen Ressorts zugeordnet sind. Der Bereich Education, Culture, Youth & Sport“ wurde von dem Ungarn Tibor Navracsics übernommen. Navracsics war zuletzt im Kabinett Orban stellvertretender Premierminister und Minister für Auswärtige und Handelsangelegenheiten. Im sogenannten „Mission letter“ von Kommissionspräsident Juncker wird betont, dass Bildung, Kultur und Partizipation der Zivilgesellschaft „a key component of our shared European identity and values“ darstellen. Unterstrichen wird deren Beitrag zu „Selbstdarstellung, Kreativität und Unternehmertum“ aber auch zu „sozialem Zusammenhalt und einer dynamischen Gesellschaft“.

Links: Mission letter:

(http://ec.europa.eu/commission/sites/cwt/files/commissioner_mission_letters/navracsics_en.pdf.pdf)

Infos zum neuen Kommissar: http://ec.europa.eu/commission/2014-2019/navracsics_en

EU: Dokument: Quality Teacher Education

Am 21. Mai 2014 hat der Bildungsministerrat in Brüssel eine Schlussfolgerung „zu wirksamer Lehrerausbildung“ verabschiedet. Darin wird die besondere Bedeutung der Systeme und Personen hervorgehoben, die für die Ausbildung des Lehrpersonals verantwortlich sind. Lehrkräfte sind vielfältigen neuen Herausforderungen ausgesetzt. Die Mitgliedstaaten können dafür finanzielle Mittel aus dem Programm „ERASMUS+” sowie aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) nutzen. Ein wichtiges Element qualitativ hochwertiger Lehre und guter Lernergebnisse sehen die Mitgliedstaaten in der Begleitung und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern über ihre gesamte Karriere hinweg. Der Fokus auf die Lehrerausbildung sei insofern besonders wichtig, da in den nächsten Jahren eine große Anzahl von ihnen aus dem Beruf ausscheiden werde. Das Dokument ist zugänglich über:

http://register.consilium.europa.eu/doc/srv?l=DE&f=ST%208883%202014%20INIT

Europarat: 2014 Exchange zur religiösen Dimension im interkulturellen Dialog. „Interkultureller Dialog: das Zusammenspiel zwischen Kultur und Religion“

Das Kolloquium in Baku/Aserbaidschan Anfang September war das 7. Kolloquium, zu dem das Ministerkomitee eingeladen hatte. Es geht dabei stets um die religiöse Dimension im interkulturellen Dialog. Aspekte, die bei früheren Kolloquien behandelt wurden waren u.a. Bildung zu religiösen und weltanschaulichen Fakten, die Medien, Glauben und Religionen, die Rolle junger Menschen im Blick auf die religiöse Dimension, Verantwortung im zukünftigen Europa übernehmen und Religionsfreiheit heute. In Baku stand die Beziehung zwischen Kultur und Religion im Zentrum. Interessanterweise ist Aserbaidschan eine ehemalige sowjetische Republik mit einer muslimischen Tradition, ottomanischen Einflüssen und der Ausgrabung einer Kirche, die dem Heiligen Bartholomäus gewidmet war.

Das Programm beinhaltete drei Foren. Das erste beschäftigte sich mit „Toleranz gegenüber religiösen und nicht-religiösen Weltanschauungen als soziales Kapital in kulturell vielfältigen Gesellschaften“, das zweite mit dem Beitrag religiöser und nicht-religiöser Weltanschauungen zur Bekämpfung von Diskriminierung, Intoleranz und Gewalt. Das dritte Forum handelte von dem Beitrag des kulturell-religiösen Erbes zum interkulturellen Dialog und den universellen Werte, die vom Europarat verteidigt werden – insbesondere Menschenrechte, aber natürlich auch Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. In der Diskussion um Toleranz wurde angeführt, dass ein Toleranzverständnis im Sinne von „ jemanden aushalten“ keine echte Toleranz sei. Im Geschehen des Tolerierens kann es sein, dass wir eine Gruppe oder eine Person marginalisieren. Diskutiert wurden auch Hassreden, denen es an Toleranz mangelt.

Nichtsdestotrotz wurde die Hoffnung geäußert, dass Religion in der Lage sein sollte, an Toleranz als soziales Kapital zu appellieren, das den Respekt der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit beinhaltet. Ein Redner führte aus, dass wir gegenseitige Würde, auf der Grundlage von Respekt, benötigen und dass dies mehr als Toleranz sei. Ein anderer Teilnehmer fragte danach, ob sich Religion eher auf das Sein oder auf eine Zugehörigkeit beziehe. Im zweiten Forum zum Beitrag von Religion wurde daran erinnert, dass die Menschenrechte gleichermaßen für alle gelten, dass wir einen individuelle Beitrag zur Kooperation von Organisationen leisten, während gegenseitige Wahrnehmung über Überzeugungen hinausgeht. Im Blick auf Toleranz wurde danach gefragt, wie die Religionen mit interner Intoleranz umgehen.

Die Bedeutung dieses Themas ist offensichtlich, denn es gibt Gruppierungen innerhalb einer Religion, die Probleme bereiten. In einem damit zusammenhängenden Bereich hat ECRI einen Bericht zur anhaltenden Abneigung gegen Minderheiten vorgelegt. Trotzdem muss Kritik nicht intolerant oder gegen jemanden gerichtet sein. Ein Beispiel dafür kann die Kritik an Israel dafür sein, dass sie Zivilisten bombardieren.

Das dritte Forum war deshalb interessant, weil die Beschäftigung mit dem kulturellen Erbe nicht nur eine akademische Übung ist. Religiöse Denkmäler sind wichtig weil sie Orte der Installation oder Krönung von religiösen oder nicht-religiösen Würdenträger sein können. In einem anderen Kontext kann die Erläuterung religiöser Gebäude and damit verbundener politischer Ereignisse in der Geschichte – oder gegenwärtig – ein Teil von Bildung sein. Es kann hilfreich sein, über Denkmäler und ihre Präsentation für Besucher/innen und Touristen nachzudenken. Das kann bezogen werden auf ein gegenwärtiges Interesse an ottomanischer, islamischer und jüdischer Kultur (etc.) oder etwas konkreter auf die ottomanische Architektur in Griechenland.

Auch der Kongress der lokalen und regionalen Behörden wurde angesprochen, da lokale Gemeinschaften eine wichtige Rolle im Kontext kultureller Vielfalt spielen. Die Leser seien an dieser Stelle auf die Publikation des Europarates verwiesen mit dem Titel Gods in the City.

Im Rahmen der Schlussfolgerungen wurden die Notwendigkeit des interkulturellen Dialogs und der Respekt vor universellen Werten unterstrichen.

Gods in the City – Intercultural and inter-religious dialogue at local level (2008) ISBN 978-92-871-6384-4 Council of Europe Publishing

James Barnett

Impressum

Für die Herausgabe des Newsletters sind der Vorstand der Intereuropean Commission on Church and School und der Vorstand der International Association for Christian Education verantwortlich.

Vorstandsmitglieder ICCS

Dr. Tania ap Siôn (Sekretärin, Wales), Prof. Dr. Roland Biewald (Deutschland), Prof. Dr. Heid Leganger-Krogstad (Norwegen), Kaarina Lyhykäinen (Finnland), Elisabeth Manna-Löh (Italien), Dr. Peter Schreiner (Präsident, Deutschland), Prof. Dr. Lajos Szabó (Ungarn).

Vorstandsmitglieder IV

Bertrand Knobel (Schweiz), Dr. Wim Kuiper (Präsident, Niederlande), Dr. Gerhard Pfeiffer (Sekretär, Deutschland), Rita Révész (Ungarn).

Informationen und Beiträge

Informationen und Beiträge senden Sie bitte an:

Dr. Peter Schreiner (schreiner@comenius.de) oder Dr. Gerhard Pfeiffer (gerhard.pfeiffer@fen-net.de)

ISSN: 0921-0393

IV & ICCS Newsletter in Englisch, Deutsch und Französisch wird elektronisch veröffentlicht auf:

http://www.iccsweb.org und http://www.int-v.org.